Klimapfad konkret – Best Practice zur Mittagspause: Aufstockung Grubenstrasse, Zürich

Die Norm SIA 390/1 – Klimapfad -Treibhausgasbilanz über den Lebenszyklus von Gebäuden – baut auf dem Merkblatt SIA 2040 - SIA Effizienzpfad Energie auf und fokussiert auf die Treibhausgasbilanz von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus. Sie verfolgt das Ziel «Netto-Null» gemäss Pariser Abkommen und Schweizer Klimaschutzgesetz und lässt den Weg dahin offen. Die Norm definiert Zielwerte für Emissionen – vom Bau über den Betrieb, die Instandsetzung und den Rückbau von Gebäuden bis zur Mobilität – unter Berücksichtigung unterschiedlicher Nutzungen und ist auf Neu- und Umbauten anwendbar.

Im Rahmen unserer Lunch-Webinar-Reihe präsentieren wir Ihnen in den kommenden Monaten inspirierende Best-Practice-Beispiele – realisierte oder geplante Projekte, die die Zielwerte der SIA-Norm 390/1 (oder nahezu) einhalten.

Der Werkhof 29 an der Grubenstrasse in Zürich-Binz steht exemplarisch dafür, wie Weiterbauen im Bestand und zirkuläres Denken zusammenwachsen können: Ein Gewerbebau aus dem Jahr 1934, der bereits mehrere Umbauphasen hinter sich hat, wurde ein weiteres Mal verdichtet – diesmal mit dem Ziel, so wenig wie möglich neu herzustellen und so viel wie möglich weiterzunutzen.

Die Aufstockung um ein Geschoss mit innenliegendem Galerieniveau erfolgte in vorgefertigter Holzelementbauweise. Als Dämmung dienen Strohballen, die mit regionalem Lehmputz verkleidet wurden – eine Kombination, die das Gebäude zum grössten Strohballenbau in Zürich macht. Die bestehende Tragstruktur des Backsteinbaus erwies sich als tragfähig genug, um die neuen Lasten aufzunehmen; an lediglich einem Punkt im Erdgeschoss war eine strukturelle Verstärkung nötig. Dieser Respekt vor dem Bestand prägt das gesamte Projekt.

Konsequent weitergedacht wurde das Prinzip beim Materialeinsatz: Fassadenelemente, Fenster, Türen, Einbauten und haustechnische Komponenten wurden aus Rückbauprojekten beschafft und gezielt dort eingesetzt, wo ihr Einsatz sowohl ökologisch wirksam als auch wirtschaftlich sinnvoll war. Sichtbare Gebrauchsspuren werden nicht kaschiert, sondern als gestalterisches Merkmal angenommen. Ergänzt wird das Konzept durch eine Solaranlage auf dem Areal sowie begrünte Dachflächen zur Förderung der Biodiversität.

Das Ergebnis: deutlich geringere Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem konventionellen Neubau gleicher Fläche – und ein Gebäude, das zeigt, dass der Klimapfad bei Umbauten und Aufstockungen häufig effizienter beschritten werden kann als durch Ersatzneubau.

Im Webinar diskutieren wir anhand des Werkhof 29, wie die Rechenhilfe SIA 390/1 bei Umbauten und Aufstockungen als Planungsinstrument eingesetzt werden kann – und welche Entscheide zu Konstruktion, Re-Use und Bestandsertüchtigung massgeblich zur Treibhausgasbilanz beitragen.

Kompetenzen

  • Sie lernen ein Pionierprojekt kennen

  • Sie wissen welche strategischen Entscheidungen früh in der Planung getroffen werden sollen, um wichtige Hebel für die Erreichung der Zielwerte nach SIA 390/1 zu aktivieren.

Programm

  1. Präsentation des Projektes

  2. Präsentation der Treibhausgasbilanz des Projektes

  3. Fragenrunde

  • Dieses Webinar wird simultan auf französisch übersetzt.

Zielgruppen

  • Alle Personen aus der Planungs- und Baubranche die sich durch vorbildliche Projekte oder Projektideen inspirieren lassen möchten.

Referierende

Daniel Kellenberger

Daniel Kellenberger ist ausgebildeter Kulturingenieur (ETH) und Umweltingenieur (FHNW) mit über 20 Jahren Erfahrung in Forschung, Beratung und Lehre. Unter Anderem leitete er viele Jahre das 2000-Watt-Areallabel. Seit Frühjahr 2025 engagiert er sich als Präsident der SIA-Kommission 390/1 für den Lebenszyklus von Gebäuden und zählt zu den führenden Expert:innen für nachhaltige Gebäude und Areale in der Schweiz

Kosten

Dieses Webinar ist kostenlos. Eine Anmeldung ist jedoch unbedingt erforderlich.

Anmeldung

Datum / Ort / Zeit

Für Fragen steht Ihnen das SIA inForm Team via E-Mail gerne zur Verfügung.