Der Werkhof 29 an der Grubenstrasse in Zürich-Binz steht exemplarisch dafür, wie Weiterbauen im Bestand und zirkuläres Denken zusammenwachsen können: Ein Gewerbebau aus dem Jahr 1934, der bereits mehrere Umbauphasen hinter sich hat, wurde ein weiteres Mal verdichtet – diesmal mit dem Ziel, so wenig wie möglich neu herzustellen und so viel wie möglich weiterzunutzen.
Die Aufstockung um ein Geschoss mit innenliegendem Galerieniveau erfolgte in vorgefertigter Holzelementbauweise. Als Dämmung dienen Strohballen, die mit regionalem Lehmputz verkleidet wurden – eine Kombination, die das Gebäude zum grössten Strohballenbau in Zürich macht. Die bestehende Tragstruktur des Backsteinbaus erwies sich als tragfähig genug, um die neuen Lasten aufzunehmen; an lediglich einem Punkt im Erdgeschoss war eine strukturelle Verstärkung nötig. Dieser Respekt vor dem Bestand prägt das gesamte Projekt.
Konsequent weitergedacht wurde das Prinzip beim Materialeinsatz: Fassadenelemente, Fenster, Türen, Einbauten und haustechnische Komponenten wurden aus Rückbauprojekten beschafft und gezielt dort eingesetzt, wo ihr Einsatz sowohl ökologisch wirksam als auch wirtschaftlich sinnvoll war. Sichtbare Gebrauchsspuren werden nicht kaschiert, sondern als gestalterisches Merkmal angenommen. Ergänzt wird das Konzept durch eine Solaranlage auf dem Areal sowie begrünte Dachflächen zur Förderung der Biodiversität.
Das Ergebnis: deutlich geringere Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem konventionellen Neubau gleicher Fläche – und ein Gebäude, das zeigt, dass der Klimapfad bei Umbauten und Aufstockungen häufig effizienter beschritten werden kann als durch Ersatzneubau.
Im Webinar diskutieren wir anhand des Werkhof 29, wie die Rechenhilfe SIA 390/1 bei Umbauten und Aufstockungen als Planungsinstrument eingesetzt werden kann – und welche Entscheide zu Konstruktion, Re-Use und Bestandsertüchtigung massgeblich zur Treibhausgasbilanz beitragen.